Das Treffen klassischer Yachten auf der Elbe

Ein Bericht der Crew von der SY "Jule" (R. und D. Dartsch)

In ihrer diesjährigen Auflage erschien die Veranstaltung für klassische Yachten auf der Elbe in einem neuen Gewand.

Die "Elbe-Klassik 1999" knüpfte nicht nur an den "Glückstädter Auftakt" der Vorjahre an, sondern vor allem an die seglerische Tradition auf dem Tidenrevier der Unterelbe. So standen bereits in den Gründerzeiten unseres Sports neben den Regatten, die "schon immer" veranstaltet wurden, besonders die gemeinsamen Fahrten im Mittelpunkt des Interesses. Diese Tradition wollten wir aufgreifen, als wir uns entschlossen, eine gemeinsame Reise vom Hamburger Yachthafen nach Störort, einem beschaulichen Hafen im Mündungsbereich des größten Nebenflusses der Elbe, zu unternehmen.

Fast 30 Boote standen am 19. Juni 1999 auf der Meldeliste: Vertenskreuzer, Haiboot, Nordischer Kreuzer, Knarrboot, KR-Yachten, Spitzgatter, Folkeboote, V-Jollen, Jollenkreuzer und andere klassische Yachten aus der gesamten Unterelberegion gaben ein interessantes Bild ab. Für die Verklarung hatten wir an Land eigens einen Ort mit Erinnerung an "damals" gewählt; unter dem Walkiefer im Hamburger Yachthafen, der schon 1934 im "alten" Yachthafen auf Waltershof aufgestellt war, wurde der Ablauf geklärt.

Sonnabend, 8 Uhr, erster Blick aus dem Schiebeluk auf den Stander im Topp: NW, eher schwach. Mit der ablaufenden Tide wird es schon etwas mehr werden, und die Richtung verspricht eine volle Kreuz. Während ich noch blinzelnd in die Sonne schaue, kommt Joachim von der "Alamak" ans Schiff und drückt mir die Flagge "N" in die Hand. Nach dem Programm soll sie das Führungsschiff markieren, das bei gesetzter Flagge nicht überholt werden dart. Ich schaue etwas verdutzt, schließlich hatten wir ihn gestern noch für die Führung ausgeguckt. Seine in bewegten Worten vorgetragenen Gründe überzeugen, wir übernehmen die Aufgabe und sogleich geht bei uns die Planung los. Teilnehmerliste, Wetterbericht, Törnplan, Tidenkalender werden bemüht, um einen sinnvollen Kurs abzustecken. Wir entscheiden uns, dem Verlauf des Hauptfahrwassers zu folgen, um bei den herrschenden Windverhältnissen nicht schon vor der Störmündung die Tide auf den Kopf zu bekommen.

Nachdem das Frühstück etwas hektisch für beendet erklärt und die Verklarung auch geschafft ist, laufen wir pünktlich um 11 Uhr mit übergroßer Flagge "N" unter der Steuerbordsaling und gesetzten Segeln aus der Osteinfahrt des Hafens aus. Das Feld wartet bereits im verabredeten Startbereich und schließt sofort in unserem Kielwasser auf. Nun hoch ran, aber wie hoch? Welche Höhe laufen die äußerst unterschiedlichen Boote? An den Folkebooten können wir uns dabei sicherlich kaum orientieren; wir segeln also lieber etwas offener. Das kostet Zeit, die für uns eigentlich knapp ist. Die Tide wartet bekanntlich nie!

Es gelingt uns nicht, alle Boote zusammenzuhalten, wir reffen also bereits querab Lühe das erste Mal ein. Die Manöver müssen klappen, wir fühlen uns beobachtet. Das Feld kommt auf, wir reffen wieder aus. Das Folkeboot "Tectona" zeigt bei unseren Bremsmanövern große Disziplin und hält sich stets einige Bootslängen hinter uns, eine echte Herausforderung, auch für uns beide.

Der lange Blick durch den Kieker verrät allerdings schon wenige Meilen weiter elbab, daß sich das Feld wieder auseinandergezogen hat. Erneutes Einreffen, auch diesmal hat es sauber geklappt und wir segeln weiter bis "Pagensand Süd".

Wir entscheiden an der Tonne 100, daß nun regattiert werden solle. Vielleicht segeln die Schiffe dann etwas schneller (eine Überlegung, die sich später als richtig erweist; denn alle Yachten kommen mit dem Kentern der Tide an der Stör an und können mit auflaufendem Wasser einlaufen). Wir drehen über Steuerbordbug bei, die Flagge sichtbar in Lee und warten bis alle Boote an der "Startlinie" aufgereiht sind. Dann heißt es "einmal lang" und "nieder Flagge "N"": das Startsignal!

Alle haben einen Bilderbuchstart, nur wir nicht, schließlich liegt "Jule" noch immer eingerefft auf dem falschen Bug. Ziel ist an der Nord-Ansteuerung des Glückstädter Nebenfahrwassers. Hier wird "N" wieder gesetzt und beigedreht, bis alle da sind; unsere Lady konnte im Verlauf der Regatta doch noch einige Plätze gut machen. Den "Wanderpreis der Stadt Glückstadt" sollte es für das "first ship home" geben und da gab es hinterher keine Diskussion: der 20er Jolli "Gandalf" (Kinau) zeigte, daß er während des Geschwaders wohl offensichtlich mit Treibanker gesegelt sein muß.

Die Tide kentert auf Bestellung (Norbert, es ging doch auf!) und die Durchfahrt durch das enge und strömungsreiche Sperrwerk wird kein nennenswertes Problem. Wer in diesen Gewässern segelt, weiß daß dies nicht immer so ist. Längere Wartezeiten im Strom und gefährliche Überholmanöver bei Gegenverkehr im Sperrwerk haben schon so manchen um mehr als nur um seine Außenhaut fürchten lassen. Verständnisvolles über UKW vorbereitetes Sperrwerkspersonal und die Übermacht des Holzes sorgen aber in unserem Falle für einen reibungslosen Verkehrsablauf. In der flachen und eng beprickten Hafeneinfahrt haben dann alle die beste Ausgangsposition beim allabendlichen Rennen um den letzten Liegeplatz, schließlich sind ausreichend Plätze reserviert, wo dann in Ruhe Päckchen gebildet werden. Man reagiert standesgemäß nämlich gelassen.

Unsere Aufgabe war jetzt erfüllt. Über den ereignisreichen und schönen Sommerabend am Grill mögen andere gern berichten. Ebenso über die stürmische Rückreise am Sonntag, bei der wir wieder einreffen mußten diesmal aber nicht nur so aus Spaß!